Team-Retrospektiven - wertvoll für selbstbestimmtes Arbeiten

10 Feb 2020

Diese Woche stehen bei der Stadt Wien im Rahmen der Initiative wir-bestimmt-arbeiten die ersten Restrospektiven für die Teams an. Ich nehme das zum Anlass, um aufzuzeigen, warum wir Spielmacher im THE ORGANISATION PLAYGROUND Retrospektiven als essentiell für selbstorganisierte Teams ansehen.

Was sind Retrospektiven und woher kommt der Ansatz?

Retrospektiven sind als wesentlicher Bestandteil von agilem Arbeiten, insbesondere in Scrum-Teams, bekannt und populär geworden. Scrum-Teams sind darauf angewiesen, regelmäßig ihr "Getriebe zu ölen", also für ein produktives, gemeinschaftliches Abrbeiten zu sorgen. Wie tun sie das? Sie finden sich regelmäßig nach produktiven Arbeits-Abschnitten (den sog. Sprints) zusammen, um auf den letzten Abschnitt zurückzublicken. Daher kommt der Name "Retrospektive", also Rückschau. Dabei nehmen sie je nach Stand des Teams unterschiedliche Dinge in den Fokus. In der gängigsten Form geht es um die folgenden Fragen:

  • Was sollten wir weniger tun, weil es uns hindert?
  • Was sollten wir beibehalten, weil es wertvoll war?
  • Was sollten wir mehr tun, weil wir davon profitieren würden?
  • Welche neuen Ideen haben wir, um im Team noch besser zu arbeiten?

Ihr merkt sicher, dass wir uns bei diesen Fragen stark auf der Sachebene bewegen. Damit ein Team auf der Sachebene gut unterwegs sein kann, muss es jedoch zunächst auf der menschlichen Ebene gut funktionieren. Deswegen sind Retrospektiven dieser Art für uns immer der zweite Schritt, und nicht der Anfang.

Wie können Retrospektiven für ein gutes Wir sorgen?

Das Format Retrospektive eignet sich auch hervorragend dafür, Teams auf der menschlichen Ebene zu stärken. Wesentlich ist aus unserer Sicht, dass ein Team als Ganzes nur so gut aufgestellt sein kann, wie die einzelnen Personen. Es geht uns also darum, die Präsenz der einzelnen Menschen zu stärken. Präsenz ganz allgemein heißt ja erstmal "anwesend sein". Unter Präsenz im Kontext von Teams verstehen wir: Sich und die anderen Teammitglieder gut wahrnehmen, erkennen und erkannt zu werden und in Verbindung sein.

Wir nutzen also das Format der Retrospektive dazu, Bewusstsein aufzubauen:

  • Für die eigene Situation und das Wohlbefinden im Team
  • Dafür, wie es den anderen Teammitgliedern geht
  • In welchem Zustand sich das Team gerade befindet
  • Was das Team und jede(r) einzelne braucht

Wenn es menschlich im Team stimmt, wenn Verständnis füreinander da ist, lassen sicht die Sachthemen mit mehr Leichtigkeit besprechen. Man kommt schneller zum Punkt und ist auch eher bereit, Kompromisse einzugehen, um tragfähige Lösungen für alle Beteiligten zu finden.

Warum ist das so wertvoll für selbstorganisierte Teams?

Teams mit einem hohen Grad an Selbstorganisation leben davon, dass die Menschen in der Lage sind, sich selbst als Person und das gesamte Team gemeinschaftlich zu führen. Das setzt voraus, dass die Teammitglieder wertschätzend und mit Klarheit agieren. Und es bedeutet auch - ohne ein schlechtes Gefühl im Bauch - die Dinge anzusprechen, die Einzelnen oder dem gesamten Team Energie rauben. Das fällt vielen erstmal schwer.

Retrospektiven mit Fokus auf die menschliche Perspektive geben nicht nur den Rahmen und die Anleitung, um diese Fähigkeiten aufzubauen. Wenn sie ein fester Bestandteil der Team-Rituale sind, schaffen sie auch die nötige Regelmäßigkeit und erlauben eine kontinuierliche Entwicklung. Die Begleitung durch einen erfahrenen Coach stellt sicher, dass sich die Teammitglieder auf Augenhöhe begegnen können. So kann jede(r) in seiner Geschwindigkeit wachsen, als Teil des Teams. Davon profitieren letztliche Alle. Und das Team wird in die Lage versetzt, die Herausforderungen zu meistern, die selbst organisiertes Arbeiten mit sich bringt.

 

Boris Behringer, Spielmacher THE ORGANISATION PLAYGROUND


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