Was ist eigentlich Mut?

08 Feb 2020

Was ist eigentlich Mut? Die Frage stelle ich mir in letzter Zeit häufiger, denn ich komme an dem Wort in meinem Alltag einfach nicht vorbei. Es ist omnipräsent in den sozialen Medien. CEOs von DAX-Konzernen fordern mehr Mut von ihrem Management. Trainer und Coaches posten was das Zeug hält auf LinkedIn, XING etc. über Mut.

Wenn Ihr jetzt sagt: „Erwischt! Du machst ja genau das gleiche.” bleibt mir nur zu sagen. Ihr habt einerseits Recht. Anderseits geht es mir nicht darum, von Euch Mut einzufordern. Wer wäre ich auch, Euren Mut einzufordern. Geht das überhaupt? Ich kann mutig vorangehen, ja das kann ich. Und wer möchte, kann sich daran ein Beispiel nehmen, sehr gerne. Ich finde, es ist Zeit, all den Menschen, die von Euch Mut einfordern, den Spiegel vorzuhalten: „Seid Ihr denn mutig?”

Klar sind Menschen mutig, die vorangehen, Neuland betreten und wagen, wo andere zurückschrecken. Das sind die Pioniere, die Risiken eingehen, um Neues zu schaffen. Das ist das erste Bild, was mir in den Kopf kommt. Aber mich hat neulich ein Kinderbuch nachdenklich gemacht, das Mut von einer ganz anderen Seite betrachtet hat. Es geht um ein paar unterschiedliche Tiere, die sich gegenseitig Aufgaben stellen, für die sie nicht geschaffen sind, die keinen Sinn machen. Alle bis auf eines machen mit und werden dafür nach Kräften bewundert. Das letzte Tier an der Reihe, ein kleiner Spatz, druckst erst lange rum, um dann zu sagen: „Ich mach nicht mit.” 😳 Das war mutig!

Das ist für mich eine ganz andere Kategorie von Mut: Der Mut sich zu entziehen, wenn alle anderen mitmachen, ohne Bewusstsein für den Sinn oder Unsinn des eigenen Handelns. Fragen wie:

  • Entspricht das eigentlich meinen Werten?
  • Tut mir das gut? Und was ist mit den Anderen?
  • Welche Folgen hat mein Handeln?
  • Entspricht das meinem Naturell?

Meine Wahrnehmung ist, dass es bei vielen Forderungen nach Mut aktuell um den "Draufgängermut" geht, also die erste Kategorie. Was Anderes kommt uns eigentlich fast gar nicht in den Sinn. Ich wünsch mir, dass es mehr Menschen gibt, die sich für den "Bewusstseinsmut" entscheiden - genau: entscheiden! Es geht wie ich finde nicht darum, kopflos mutig zu sein. Sondern sich ein Bild zu machen, Bewusstsein zu schaffen, sich und das Umfeld zu hinterfragen, zu einer Überzeugung zu gelangen. Und dann mutig dafür einzustehen, was der eigenen Überzeugung entspricht. Das ist für mich Mut.

Ich arbeite am Thema Mut unter anderem am 11.2.2020 mit meinem Mitstreitenden bei Unfold People e.V. hautnah #2 in Stuttgart. Mir ist das Thema zu bedeutsam für unsere Ökonomie und Gesellschaft, als dass ich es links liegen lassen könnte. Komm doch auch.

Boris Behringer, Spielmacher des THE ORGANISATION PLAYGROUND


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